+43 1 9430203

Schüchterne Blase - Paruresis

Erklärt

„Endlich Pause, meine Blase platzt bald.“ Schnell aufs Klo, fünf freie Becken stehen vor mir. Ich mache mich bereit zum Wasser lassen. Ich spüre, dass die Blase bereit ist zum entleeren, plötzlich höre ich wie die Tür zum Toillettenraum aufgeht. Der Kollege aus dem Meeting stellt sich zwei Becken weiter neben mich. Und da ist sie wieder – die schüchterne Blase. Nichts geht mehr, kein Tropfen, obwohl der Harndrang riesig ist.

Die Gedanken wie „Was wird er denken?“, „Was, wenn ich nicht urinieren kann?“ oder „Was, wenn er hört, dass ich nicht uriniere?“ machen mir zu schaffen.

Man versucht sich zu beruhigen und den Druck auf die Blase zu ignorieren, aber je länger man dort verweilt, desto stärker wird die Angst. Schließlich gibt man auf und verlässt das Badezimmer, ohne uriniert zu haben. Die Situation kann zu einer starken Frustration und Verlegenheit führen, da man das Gefühl hat, diese normale Körperfunktion nicht kontrollieren zu können.

Diese Art von Alltagssituationen kann für Menschen mit Paruresis sehr belastend sein und ihr Selbstvertrauen und ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Paruresis stellt eine echte Herausforderung dar und Betroffene benötigen Unterstützung, Verständnis und möglicherweise professionelle Hilfe, um sie in den Griff zu bekommen.

Created by potrace 1.16, written by Peter Selinger 2001-2019

Definition Paruresis

Paruresis, auch bekannt als „schüchterne Blase“ oder „Toilettenphobie“, ist eine soziale Phobie bzw. die Problematik in Anwesenheit anderer Menschen oder in bestimmten sozialen Situationen, wie zum Beispiel öffentlichen Toiletten, urinieren zu können. Es ist eine Form der Parurie, die durch eine übermäßige Angst oder Furcht vor einer Bewertung, Kritik oder Bloßstellung seitens anderer Personen verursacht wird.

Menschen mit Paruresis empfinden oft erheblichen Stress und Unbehagen, wenn sie den Drang verspüren, Wasser zu lassen. Meist dann, wenn sie in einer Umgebung sind, in der Andere anwesend sind oder sie das Gefühl haben, beobachtet zu werden. Diese Angst kann dazu führen, dass die Betroffenen das Wasserlassen vermeiden oder es nur in sehr privaten Umgebungen wie zu Hause durchführen können.

Man geht davon aus, dass ca. 2,8% der Männer davon betroffen sind. Die genauen Ursachen von Paruresis sind nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Darunter soziale Ängste, traumatische Erfahrungen, genetische Veranlagung und erlerntes Verhalten. Die Auswirkungen von Paruresis können das alltägliche Leben erheblich beeinträchtigen, da sie die Teilnahme an sozialen Aktivitäten, Reisen oder Arbeitsbedingungen einschränken können.

Wie kommt es zu einer Paruresis bzw. Schüchternen Blase?

Die genauen Ursachen von Paruresis sind nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren zu ihrer Entstehung beitragen können. Hier sind einige mögliche Einflussfaktoren:

  1. Soziale Ängste: Paruresis ist eng mit sozialen Ängsten verbunden. Menschen mit einer schüchternen Blase haben oft Angst vor Bewertung, Kritik oder Bloßstellung durch andere. Insbesondere dann, wenn es um intime Körperfunktionen wie das Urinieren geht. Diese Ängste können sich entwickeln und verstärken, wenn negative soziale Erfahrungen gemacht wurden oder wenn es ein generelles Muster von sozialer Angst im Leben einer Person gibt.

  2. Traumatische Erfahrungen: Manchmal kann Paruresis mit einer traumatischen Erfahrung in Verbindung gebracht werden, die mit dem Wasserlassen oder dem Besuch einer Toilette in der Vergangenheit zusammenhängt. Beispielsweise kann ein belastendes Ereignis wie ein peinlicher Vorfall, Mobbing oder eine unangenehme Situation in der Kindheit die Entwicklung von Paruresis beeinflusst haben.

  3. Genetische Veranlagung: Es wird vermutet, dass genetische Faktoren bei der Anfälligkeit für Paruresis eine Rolle spielen können. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder genetische Veranlagungen zu erhöhter Ängstlichkeit oder Empfindlichkeit beitragen können, was die Entwicklung einer Paruresis begünstigen könnte.

Paruresis

Es ist wichtig anzumerken, dass diese Faktoren individuell variieren können und nicht jeder Mensch mit Paruresis die gleichen Ursachen oder Auslöser hat. Die genaue Entstehung von Paruresis kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Außerdem besteht meist nicht nur eine einzige Ursache für die Entstehung einer schüchternen Blase, sondern es handelt sich um eine komplexe Interaktion zwischen verschiedenen Faktoren.

Ohne einer Behandlung wird die Angst meist schlimmer und die Einschränkungen im Leben größer.

Was kann man tun?

Die Behandlung von Paruresis umfasst Elemente der kognitive Verhaltenstherapie, Expositionstherapie und Entspannungstechniken, um die Angst und die damit verbundenen Hemmungen zu reduzieren. Unterstützungsgruppen und der Austausch mit anderen Betroffenen können ebenfalls hilfreich sein, um das Verständnis und die Bewältigung der Problematik zu fördern (Soifer, Himle & Walsh, 2010).

Die psychologische Behandlung einer Angststörung zielt darauf ab, die automatische Angstreaktion wieder zu verlernen. Die wissenschaftlich und medizinisch anerkannte S3 Leitlinie stellt dabei die Grundlage für unsere evidenzbasierte psychologische Therapie und Vorgehensweise dar. 

Dazu muss das Gehirn erfahren, dass die angstbesetzte Situation eigentlich „ungefährlich“ ist. Wir müssen uns der Angst also stellen – langsam und Schritt für Schritt.

Wie läuft die Therapie genau ab?

Als Vorbereitung dafür möchten wir Ihnen die Grundlagen der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Angststörung näherbringen. Wie funktioniert sie? Warum kommt und geht sie wieder? Warum kommt sie manchmal und manchmal nicht?

Gemeinsam ermitteln wir die Einflussfaktoren, die an der Angst beteiligt sind. Das ist wichtig, um den nachhaltigen Erfolg der Behandlung zu sichern. Die Angst zu verstehen, bedeutet gleichzeitig sie beherrschen zu können. Denn wie so häufig: Wissen ist Macht und genau die möchten wir in Ihre Hände übergeben.

Passende Entspannungsmethoden werden erlernt, um für den „Ernstfall“ vorbereitet zu sein. Denn sobald wir die körperliche Angstreaktion im Griff haben, fällt es bedeutend leichter sich auf die nächsten Schritte einzulassen.

Hierbei wählen wir individuelle Techniken, also jene mit der größtmöglichen Wirksamkeit für Sie. Manche mögen körperliche Entspannungstechniken lieber, andere fühlen sich bei mentalen Techniken besser aufgehoben.

Gemeinsam erarbeiten wir schließlich ausgewählte Konfrontationsmöglichkeiten und begleiten Sie durch jede einzelne.

Mit jeder erfolgreichen Konfrontation warnt uns das Gehirn etwas weniger, bis hin zu einem angstfreien Erleben der gefürchteten Situation. Zu Beginn klingt das wie eine unmögliche Aufgabe, doch dafür sind wir da.

Und noch eine gute Nachricht: Angst ist die am meisten erforschte psychische Störung und seit Jahrzehnten erzielen nachweislich hilfreiche Behandlungsformen große Erfolge.

Nach diesen Behandlungsformen arbeiten auch wir: auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, lösungs- und zielorientiert!

Unser Angebot

Wir wissen, dass es für Viele eine Herausforderung ist über die eigenen Ängste, Sorgen und vertraulichen Probleme zu sprechen. Deshalb möchten wir die erste Hürde so angenehm wie möglich gestalten. In einem kostenlosen Erstgespräch können Sie sich ganz in Ruhe ein Bild von der Therapie, den Räumlichkeiten und den BehandlerInnen machen. 

Erst danach entscheiden Sie, ob Sie eine Psychologische Therapie beginnen möchten.